Spielwarenmesse Nürnberg 2023: Trends, Brettspiel-Neuheiten & Spieleerfindermesse
Wenn Anfang Februar die internationale Spielwarenbranche in Nürnberg zusammenkommt, geht es längst nicht nur um „Spielzeug“, sondern um Produkttrends, Lizenzthemen, Handelstauglichkeit, Safety/Compliance, internationale Distribution – und (für uns besonders spannend) um Brettspiele, Roll-&-Write-Konzepte und Gesellschaftsspiel-Innovationen.
2023 war zudem ein Jahr mit Symbolkraft: Nach den Pandemie-Jahren in digitaler Form kehrte die Messe als Präsenzformat zurück – und mit ihr ein Format, das für Verlage und Autor:innen besonders relevant ist: die Spieleerfindermesse am Freitag, 03.02.2023, als konzentrierter Pitch- und Scout-Tag.

Themen:
Historie der Spielwaren- und Spieleerfindermesse
Highlights der Spielwarenmesse Nürnberg 2023
Neue Formate & Öffnung Richtung Endkunden (selektiv)
Spieleerfindermesse Halle 11.1: Das Wichtigste für Verlage & Autor:innen
Was Verlage dort konkret suchen
MindGolf & SpieleTasse am Tisch 139
Fazit: Warum 2023 ein besonders spannendes Jahr für Spiele war
Historie: Seit wann gibt es die Spielwarenmesse – und wie lange die Spieleerfindermesse?
Spielwarenmesse: Gründung 1949, erste Messe 1950
Die Wurzeln reichen in die unmittelbare Nachkriegszeit: 1949 wurde in Nürnberg die Idee einer eigenen Fachmesse für Spielwaren als Antwort auf veränderte Marktbedingungen (u. a. deutsche Teilung, fehlende geeignete Messeplattform) konkret – 1950 eröffnete dann die erste Deutsche Spielwaren-Fachmesse.
Internationalisierung
1957 gibt der damalige Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard, in der anhaltenden Debatte über eine mögliche Internationalisierung der Fachmesse, den letzten Ausschlag. In seiner Rede zur Eröffnung der Deutschen Spielwaren-Fachmesse 1957 forderte er:
„Ich möchte nächstes Jahr das Wort „Deutsche“ hier nicht mehr sehen!“
Als die „Internationale Spielwarenmesse Nürnberg“ folge dessen auch internationale Aussteller einlädt, beteiligen sich auf Anhieb 60 ausländische Firmen unter den 830 Ausstellern. Im Folgejahr verdoppelt sich diese Zahl und steigt seither stetig an. Ein Drittel der 12.000 Besucher internationale Gäste. (Quelle: Spielwarenmesse Nürnberg)
Die Pandemie als treibende Kraft der Digitalisierung der Speilwarenmesse
Anfang Februar 2022 findet aufgrund der anhaltenden Pandemie zum gewohnten Messetermin erstmals die Spielwarenmesse Digital statt. Die digitalisierte Networkingplattform bietet neben Produktneuheiten auch interessante Livestreams und wird auch zukünftig digital die Messe vor Ort ergänzen.
Spieleerfindermesse: Ende der 1990er gestartet, 2023 erstmals in Nürnberg
Die „Internationale Spieleerfindermesse“ hat ihre DNA in deutschen Autorentreffen: In den 1980ern initiierte Reinhold Wittig das Autor:innentreffen in Göttingen; der Journalist Tom Werneck etablierte später das süddeutsche Pendant in Haar bei München, das „seit über 25 Jahren“ besteht.
Künftig wird sie im Rahmen der Spielwarenmesse am Messefreitag unter dem Zusatz „Game Inventors Convention“ stattfinden. Der typische Charakter des Events, bei dem Spieleautoren ihre Prototypen erfahrenen Spieleredakteuren in exklusiver Atmosphäre vorstellen, bleibt erhalten.
Highlights der Spielwarenmesse Nürnberg 2023
Präsenz-Comeback der Messe vom 1. bis 5. Februar 2023 mit digitaler Unterstützung und starke Internationalität
Die Zahlen spiegeln den Neustart imposant wieder: rund 2.100 Aussteller aus 69 Nationen und von ca. 58.000 Besucher wurde berichtet.
Was man dort sieht lässt sich nicht in Worte fassen. Spielwaren von Miniatur bis modular zusammenbaubar große Spielklötze. Von Luftballons bis Schleich Sammelfiguren. Von Modeleisenbahn bis Brettspiele. Von Würfeln in allen erdenklichen Ausprägungen bis haptische Digitalwürfel. Ein Sofa das rein aus Kuscheltieren besteht.
Die rede ist von über 120.000 Neuheiten. Schätzen würden wir die Anzahl einzelner Produkte jedoch weit über Million. Spielzeug soweit das Auge reicht.
Neue Formate & Öffnung Richtung Endkunden (selektiv)
Für die Messe als B2B-Plattform war 2023 bemerkenswert, dass zusätzliche Event-Formate und eine begrenzte Endkunden-Öffnung ausprobiert wurden:
RedNight als abendliches Networking-/Showformat (mit vielen teilnehmenden Ausstellern)
Open Day / Wochenend-Öffnung eines Bereichs (u. a. für Modellbau/Modelleisenbahn in Halle 7A) – ein lange diskutierter Schritt Richtung Consumer-Touchpoint
Spieleerfindermesse Halle 11.1: Das Wichtigste für Verlage & Autor:innen
Die Spieleerfindermesse ist im Kern ein kuratierter Prototypen-Marktplatz: Autor:innen bringen Ideen, Redaktionen suchen Mechanik-Perlen, Agenturen scouten, und beide Seiten sparen Zeit durch hohe Dichte.
Warum 2023 (erstmals in Nürnberg) so relevant war
Location-Synergie: Direkt neben dem Brettspiel-Verlagsumfeld (Halle 10 als Nachbarschaft wird explizit erwähnt) – Redakteure konnten ohnehin zur Spielwarenmesse anreisen und „mal eben“ in die Prototypenebene wechseln.
Skalierung: „Knapp 150 Tische“ bedeuteten Vielfalt und echten Scout-Durchsatz.
Internationalität: 2023 wurden 151 Spieleerfinder aus 20 Ländern berichtet – das ist für Verlage interessant, weil es Mechaniken jenseits der eigenen „Bubble“ sichtbar macht.
Die Gespräche zwischen Verlagen, Autoren, Fachjournalisten und Erfindern waren sehr inspirierend, kreativ und anregend. Auffallend war, dass die Autoren der Verlage gerne ihre umfangreiche Erfahrung mit den Neulingen teilten. Solch ein tolles Miteinander kennt man sonst nicht aus jeder Branche.
Was Verlage dort konkret suchen (und wie Autor:innen darauf optimieren)
1) Ein klarer Hook in 15 Sekunden
„Was mache ich? Warum ist das neu? Für wen ist es?“ – wenn das nicht sitzt, hilft auch der schönste Prototyp nicht.
2) Saubere Entscheidungsdaten
Verlage denken früh in: Zielgruppe, Spieldauer, Interaktion, Komplexität, Materialkosten, Packaging, Differenzierung. Wer als Autor:in dazu etwas sagen kann, wirkt „produktionsnah“.
3) Ein spielbarer Prototyp + „Sell Sheet“
Auf dem Tisch muss sofort erkennbar sein: Setup, Kernmechanik, Beispielzug. Hilfreich sind 1-Pager (USPs, Eckdaten, Kontakt, Status).
4) Professionelle Tischlogistik
Die offiziellen Rahmenbedingungen sind eng getaktet: Ein Tisch ist begrenzt (in den FAQs wird z. B. eine Tischgröße genannt), daher: nur das auslegen, was die Idee unterstützt.
MindGolf & SpieleTasse am Tisch 139: Roll-&-Write-Feeling mit Kopfrechnen-Twist
Am Tisch 139 in Halle 11.1 stellte Thomas Krauleidis MindGolf und die SpieleTasse vor – inklusive Einladung, das Spiel vor Ort auszuprobieren.
MindGolf positioniert sich dabei bewusst als Würfelspiel mit „Geist-Kick“: Kopfrechnen (insbesondere Multiplikation) trifft auf taktisches Abwägen. Es gibt zudem eine vereinfachte Variante („Greenhorn“), die gänzlich ohne Multiplizieren auskommt.
Die SpieleTasse ist als Produktidee ebenfalls für Verkaufsstellen und Verlage interessant: weniger „klassisches Spielmaterial“, mehr Alltags-/Geschenk-Touchpoint, der Spielbarkeit in Pausen-Situationen (Büro, unterwegs) andockt – und sogar als Individualisierungs-/Vermarktungsvehikel für eigene Spiele gedacht ist.
Fazit: Warum 2023 ein besonders spannendes Jahr für Spiele war
Die Spielwarenmesse 2023 war mehr als „Back to Business“: Sie zeigte, wie sich die Branche nach der Pandemie neu sortiert – mit frischen Formaten, hoher internationaler Dichte und einem klaren Signal an die Spieleszene. Die Spieleerfindermesse in Halle 11.1 (03.02.2023) war dabei das perfekte Gegenstück zu den Verlagsständen: nicht fertiges Produkt, sondern Ideen-Pipeline. Und genau dort entfalten Konzepte wie MindGolf ihren Reiz – als spielbarer Pitch, der Mechanik und Zielgruppe in wenigen Minuten erlebbar macht.

